Gesellschaft für interdisziplinäre wissenschaftliche Kriminologie (GiwK)

      

 "Neu-Erfindungen wohlfahrtstaatlichen Strafens"

- Bielefeld, 7.-8. April 2016 -

Mit gegenwärtigen Konzepten und Praktiken "wohlfahrtsstaatlicher" Reaktionen auf kriminalisiertes Verhalten beschäftigten sich im April 2016 rund 70 Kriminologinnen und Kriminologen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen während der Tagung "Neu-Erfindungen wohlfahrtsstaatlichen Strafens." Im Mittelpunkt stand die Frage, ob und in welchem Umfang wohlfahrtsstaatliches Handeln gegenwärtig noch den Umgang mit Kriminalität prägt, und welche Bedeutung anderen Maximen - wie etwa dem punitiven oder dem präventiven Denken innerhalb einer Sicherheitsideologie - zukommt. Neben Referaten und Diskussionen in fünf gut besuchten Arbeitskreisen standen Plenarvorträge von Heinz Cornel, Dagmar Ellerbrock, Ineke Pruin, Axel Groenemeyer, Nina Oelkers und Holger Ziegler auf dem Programm.  Das Programm der Tagung ist hier einsehbar.  

GiwK-Preis für Kriminologie (Fritz Sack-Preis 2015)

Christina Schlepper hat den GiwK-Preis für Kriminologie 2015 erhalten. Die Auszeichnung wurde Christina Schlepper für ihre an der Universität Hamburg abgeschlossene Dissertation "Strafgesetzgebung in der Spätmoderne" verliehen, in der sie sich mit der Übertragbarkeit der Punitivitätsthese von David Garland auf die kriminalpolitische Entwicklung in Deutschland auseinandersetzt. Den dotierten Fritz Sack-Preis für Kriminologie hat die GiwK bereits zum siebten Mal verliehen. Er wird alle zwei Jahre für hervorragende kriminologische Veröffentlichungen, die insbesondere die Entwicklung der interdisziplinären Kriminologie fördern, ausgeschrieben und von einer unabhängigen, aus Hochschullehrern und -lehrerinnen bestehenden Jury verliehen.    

Nachwuchspreis für Kriminologie

Sophie Perthus (Leipzig) erhielt Anfang April den Nachwuchspreis der GiwK 2015 für ihre im vergangenen Jahr abgeschlossene Master-Arbeit überreicht. In ihrer herausragenden Master-Arbeit "Von der Gefahrenabwehr zur sozialräumlichen Risikokalkulation" beschäftigte Sophie Perthus sich mit der Praxis kommunaler Kriminalprävention im Leipziger Stadtteil Connewitz zwischen 1990 und 2014. Am Beispiel des Stadtteils wird die machttechnologische Seite dieser kriminalpolitischen Initiative analysiert. Verfasst wurde die Abschlussarbeit am Fachbereich Wirtschafts- und Sozialgeographie der Universität Leipzig. Der Nachwuchspreis wird von der GiwK alle zwei Jahre für besonders gelungene akademische Abschlussarbeiten auf dem Gebiet der Kriminologie im deutschsprachigen Raum verliehen.

Frühere Tagungen:

"Auf dem Weg zu einer sicheren Gesellschaft?"

- Bielefeld, 27.-29. März 2014 -

Der Bezug auf "Sicherheit" ist zu einem konstitutiven Merkmal der öffentlichen, politischen und wissenschaftlichen Debatten über Kriminalität geworden. Die Trennung von innerer Sicherheit, äusserer Sicherheit und der Gewährleistung von sozialer Sicherheit galt dabei lange Zeit als Kerncharakteristikum einer modernen, rechtsstaatlichen Politik. In den letzten Jahren sind nicht nur diese Unterscheidungen diffuser geworden, Sicherheit ist zunehmend zu einer allgemeinen Referenzkategorie geworden, mit der unterschiedliche Bereiche und Phänomene des sozialen und öffentlichen Lebens gedeutet und als Bedrohungen problematisiert werden. Die Tagung "Auf dem Weg zu einer sicheren Gesellschaft?" beschäftigte sich mit den Konsequenzen dieser Entwicklung für die Kriminologie. Einen Überblick gibt das Programm der Tagung. 

"Devianz als Risiko"

- Siegen, 19.-21. September 2013 -

Seit einigen Jahren wird Kriminalität zunehmend als Risiko gedeutet, mit dem Politik, Öffentlichkeit, professionelle Akteure und auch potentielle Opfer umzugehen haben. Eine umfangreiche Debatte setzt sich mit den Folgewirkungen einer entsprechenden Rekodierung sozial auffälligen Verhaltens auseinander. Die Tagung "Devianz als Risiko" in Siegen soll anhand von vier Ebenen analysieren, welche Veränderungen und Besonderheiten mit der Wahrnehmung von Devianz als sozialem Risiko verbunden sind. Das Programm steht hier zur Verfügung.

"Einheitliches Recht für die Vielfalt der Kulturen?"

Die wesentlichen Beiträge von der Fachtagung der GiwK "Einheitliches Recht für die Vielfalt der Kulturen?" sind Ende Januar 2012 in einem gleichnamigen Buch im LIT-Verlag erschienen. Mehr Informationen und eine Bestellmöglichkeit finden sich hier.  Die Tagung in Zusammenarbeit mit dem IRKS Wien und dem Wiener Renner-Institut stand ganz im Zeichen der Internationalisierung des Kriminalrechts und der sich daraus ergebenden - oder dahinter stehenden - kulturellen Konflikte. Zentrales Thema waren die Konsequenzen veränderter Rechtsräume und eines zunehmend transnationalen Rechts für die Kriminologie und das Strafrecht.

"Kriminalität in der Krise"

- Deutungen und Bewältigungsstrategien in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Krisen -

29.-30. März 2012, Bielefeld

Ein ausgesprochen interdisziplinärer Teilnehmerkreis fand sich Ende März 2012 zu der vom GiwK-Vorstand organisierten Tagung "Kriminalität in der Krise" in Bielefeld zusammen. Die seit nunmehr vier Jahren aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise nahm das Veranstalterteam zum Anlass, gesellschaftliche Strategien der Krisenbewältigung und ihre politischen, sozialen und rechtlichen Folgen zu untersuchen. Die Kriminologie, die schon per Selbstdefinition eine Disziplin der Krisenbewältigung ist, nimmt hierbei eine besondere Rolle ein. Untersucht werden sollte, welche Funktion klassischen kriminal- und sicherheitspolitischen Ordnungsinstanzen und entsprechenden Deutungsmustern (Schuld und Strafe, Opfer oder Täter, Gefahr und Sicherheit) zukommt im Verhältnis etwa zu wirtschaftspolitischen Steuerungsansätzen, aber auch zu alternativen Konzepten gesellschaftlicher Partizipation. Wesentlich geprägt wurde die Tagung durch Plenarvorträge von Christoph Scherrer (Kassel), Elmar Altvater (Berlin), Susanne Karstedt (Leeds), Christine Künzel, Ute Tellmann (Hamburg) und Stefan Kaufmann (Freiburg). Das Programm der Veranstaltung findet sich hier. 


Tagungsbericht: "Cultural Criminology"

,Kultur' in ihren verschiedenen Verwendungskontexten tritt nicht erst in der jüngsten Zeit in den öffentlichen Diskursen auf. Die englischsprachige Kriminologie agiert bereits seit einigen Jahren mit Erfolg auf dieser Bühne, während sich die deutschsprachige Kriminologie erst spät, mit Widerständen und deshalb eher zurückhaltend auf dieses Feld begeben hat. Dabei hat der Etikettierungsansatz, darunter vor allem auch die in der deutschsprachigen Kriminologie thematisierte Variante dieses Ansatzes, im Rahmen von Erörterungen der Formationsprozesse von Kriminalitätsdiskursen bereits frühzeitig zu den kulturellen De- und Konnotationen dessen Stellung bezogen, was als ,abweichendes Verhalten' kenntlich gemacht wird. ,Cultural Criminology' führt unterschiedliche disziplinäre Perspektiven zusammen. In der englischsprachigen Kriminologie bildet ,Cultural Criminology' ein Arbeitsverständnis verschiedener kultur- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen (Kriminologie, Soziologie, Anthropologie, Geschichtswissenschaften, Literaturwissenschaften). Anlässlich des von der GiwK veranstalteten Kolloquiums wurden Ansätze und Positionen einer deutschsprachigen ,Cultural Criminology' anhand der folgenden Vorträge erörtert:

  • Sascha Schierz (Vechta)/Herbert Reinke (Berlin): Kultur, Cultural Studies, Cultural Criminology. Eine Annäherung
  • Bernd Dollinger (Freiburg/Br.): ,Cultural Criminology' und das Problem ,sozialer Tatsachen'. Innovationspotenziale kriminologischer Kulturtheorie
  • Andrea Kretschmann (Wien): Cultural Criminology in gouvernementaler Perspektive
  • Michael Jasch (Frankfurt/Main): ,Leitkultur Strafrecht'?
  • Aldo Legnaro: Gehen-Raum-Kontrolle. Reflexionen über das Flanieren und über makrosoziologische Regierungsstrukturen
  • Eva Erdmann (Konstanz): Tatorte zwischen politischer, geographischer und belletristischer Phantasie
  • Katja Geiger (Wien): Die Materialisierung von Verbrechensbildern in der gerichtlichen Medizin - das Beispiel Kindesmord (ca. 1900 - 1930).

Tagungsbericht: "Gefährliche Menschenbilder"

Bio-Wissenschaften, Gesellschaft und Kriminalität

Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) Bielefeld

Die Lebenswissenschaften, insbesondere die neurobiologische Hirnforschung, präsentieren der staunenden Gesellschaft gegenwärtig neue Perspektiven auf den Menschen. Nicht zuletzt meinen sie mit ihren Erkenntnissen und Methoden "gefährliche" von "ungefährlichen" Menschen unterscheiden zu können. Spätestens hier stellt sich die Frage, ob es um "Bilder gefährlicher Menschen" oder um "gefährliche Menschenbilder" geht. Mehr Informationen hier